Kosten & Beiträge
Der Arbeitgeberzuschuss zur PKV 2027
2026 bis zu 613,22 €, ab 2027 bis zu 672,56 € im Monat: Was der Arbeitgeber zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung dazugibt, wie der Zuschuss berechnet wird und warum ihn viele falsch einschätzen.
Kategorie: Kosten & Beiträge
Wer als Angestellter in die PKV wechselt, hat weiter Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss, genau wie gesetzlich Versicherte. In Beratungsgesprächen wird das erstaunlich oft übersehen oder falsch eingeschätzt. 2027 steigt der Höchstbetrag deutlich, weil die Beitragsbemessungsgrenze außerordentlich angehoben wird. Mehr bekommt aber nur, wer schon bisher an der Obergrenze lag.
So wird der Zuschuss berechnet
Der Arbeitgeber übernimmt die Hälfte des tatsächlichen PKV-Beitrags, höchstens aber die Hälfte dessen, was bei gesetzlicher Versicherung als Beitrag anfiele. Das steht in § 257 Abs. 2 SGB V, für die Pflegepflichtversicherung in § 61 SGB XI. Der Höchstbetrag folgt aus dem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent, dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag und der Beitragsbemessungsgrenze, bei niedrigerem Gehalt aus dem Gehalt selbst.
Höchstzuschuss Krankenversicherung = Beitragsbemessungsgrenze × (14,6 % + durchschnittlicher Zusatzbeitrag) ÷ 2
Höchstzuschuss Pflegepflichtversicherung = Beitragsbemessungsgrenze × 1,8 % (Sachsen 1,3 %)
| Höchstzuschuss je Monat | 2026 | 2027 |
|---|---|---|
| Beitragsbemessungsgrenze Krankenversicherung | 5.812,50 € | 6.375,00 € |
| Krankenversicherung (bei 2,9 % durchschnittlichem Zusatzbeitrag) | 508,59 € | 557,81 €bei 3,5 %: 576,94 € |
| Pflegepflichtversicherung, bundesweit | 104,63 € | 114,75 €sonst 109,35 € |
| Pflegepflichtversicherung, Sachsen | 75,56 € | 82,88 €sonst 78,98 € |
| Zusammen, bundesweit | 613,22 € | 672,56 € |
| Zusammen, Sachsen | 584,15 € | 640,69 € |
Werte 2027 nach dem Kabinettsbeschluss zur Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2027 vom 07.10.2026 (unverändert gegenüber dem Referentenentwurf vom 21.09.2026). Der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2027 wird bis zum 1. November 2026 bekannt gegeben, die 2,9 Prozent sind eine Annahme. Die Pflege-Werte setzen voraus, dass das Pflegeneuordnungsgesetz die Sonderanhebung auf die Pflegeversicherung überträgt. „Sonst“ bezeichnet den Wert, falls das Pflegeneuordnungsgesetz die Sonderanhebung nicht auf die Pflegeversicherung überträgt. Wie sich der Zuschuss bei 3,3 bis 3,7 Prozent Zusatzbeitrag verändert und warum die Grenze 2027 so stark steigt: Versicherungspflichtgrenze 2027.
Sonderfall Sachsen
In Sachsen liegt der höchste Arbeitgeberzuschuss niedriger: 2026 bei 584,15 € statt 613,22 €, 2027 bei 640,69 € statt 672,56 €. Der Grund ist die Pflegeversicherung. Sachsen hat als einziges Bundesland den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag behalten, im Gegenzug tragen Arbeitnehmer dort nach § 58 Abs. 3 SGB XI einen höheren Anteil an der Pflegeversicherung. Der Arbeitgeberanteil liegt bei 1,3 statt 1,8 Prozent, und entsprechend niedriger fällt der Zuschuss zur Pflegepflichtversicherung aus.
Was der Zuschuss abdeckt
- Der Zuschuss gilt für die Krankenvollversicherung einschließlich Krankentagegeld, soweit die Leistungen ihrer Art nach denen der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. Reine Zusatzversicherungen wie eine Zahnzusatz- oder Chefarztversicherung ohne Vollversicherung sind nicht zuschussfähig.
- Beiträge für Ehepartner und Kinder, die bei gesetzlicher Versicherung familienversichert wären, werden in die Berechnung einbezogen. Der Höchstbetrag gilt aber für den Arbeitnehmer insgesamt, nicht pro versicherter Person.
- Wer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt ist, bekommt den Zuschuss anteilig von allen: Die Arbeitgeber teilen ihn im Verhältnis der jeweiligen Arbeitsentgelte (§ 257 SGB V).
- Der gesetzliche Beitragszuschlag von 10 Prozent nach § 149 VAG ist Teil des Beitrags zur Krankheitskostenversicherung und zählt mit.
- Der Zuschuss ist bis zum gesetzlichen Höchstbetrag nach § 3 Nr. 62 EStG steuerfrei und beitragsfrei in der Sozialversicherung.
- Voraussetzung ist, dass der Versicherer die Anforderungen des § 257 Abs. 2a SGB V erfüllt, unter anderem die Bereitschaft zum Basistarif und die Bildung von Alterungsrückstellungen. Bei einer Vollversicherung in Deutschland ist das der Normalfall.
Wer unter der Beitragsbemessungsgrenze verdient
Liegt das Gehalt unter der Beitragsbemessungsgrenze (2027: 6.375 € im Monat), wird der Höchstzuschuss aus dem tatsächlichen Entgelt berechnet. Ein Beispiel: Ein seit 2002 privat versicherter Angestellter verdient 2027 6.100 € brutto im Monat und liegt damit über seiner besonderen Grenze von 6.075 €. Sein höchster Zuschuss zur Krankenversicherung beträgt bei 2,9 Prozent Zusatzbeitrag 6.100 € × 17,5 % ÷ 2 = 533,75 € und nicht 557,81 €.
2027 betrifft das vor allem Privatversicherte mit Bestandsschutz aus 2002 oder 2026, deren Gehalt zwischen ihrer eigenen Grenze und 76.500 € im Jahr liegt. Wer 2027 neu wechselt, verdient mehr als 84.150 € und liegt damit immer über der Beitragsbemessungsgrenze. Was es mit den drei Grenzen auf sich hat, steht auf der Seite Jahresarbeitsentgeltgrenze 2027.
Warum der Zuschuss oft unterschätzt oder überschätzt wird
Solange der halbe Beitrag unter dem Höchstbetrag liegt, zahlt der Arbeitgeber genau die Hälfte. Erst darüber greift die Deckelung, und der Anteil des Zuschusses am Gesamtbeitrag sinkt. Wer nur den Höchstbetrag kennt, ohne den eigenen Beitrag dagegenzurechnen, liegt bei der tatsächlichen Nettobelastung leicht daneben.
Nach meiner Beratungspraxis zahlen viele Privatversicherte in jüngeren und mittleren Jahrgängen für einen leistungsstarken Tarif einschließlich Pflegepflichtversicherung zwischen 500 und 800 Euro im Monat. Bei 700 Euro Gesamtbeitrag liegt der Zuschuss bei 350 Euro, der Höchstbetrag von 672,56 Euro wird gar nicht ausgeschöpft. Die höhere Beitragsbemessungsgrenze 2027 bringt deshalb nur denen etwas, deren halber Beitrag schon bisher über dem alten Höchstbetrag von 613,22 Euro lag. Das sind in der Regel Versicherte ab Mitte fünfzig und Familien mit mehreren privat versicherten Angehörigen. Für sie steigt der Zuschuss 2027 um bis zu 59,34 Euro im Monat.
Rechenbeispiele: Arbeitgeberzuschuss 2027 in der Praxis
Alle Beispiele rechnen mit einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent und einer Beitragsbemessungsgrenze von 6.375 € für Kranken- und Pflegeversicherung. Steigt der Zusatzbeitrag, steigt der Höchstbetrag zur Krankenversicherung entsprechend. Die PKV-Beiträge sind Annahmen zur Veranschaulichung und keine Tarifangebote. Echte Beiträge hängen von Eintrittsalter, Gesundheit, Tarif und Selbstbeteiligung ab.
| Beispiel | Brutto je Monat | PKV-Beitrag KV + PPV je Monat (Annahme) | Zuschuss KV | Zuschuss PPV | Eigenanteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Angestellter, 32 Jahre, Einzelvertrag | 7.500 € | 520 € + 45 € | 260,00 € | 22,50 € | 282,50 € |
| Angestellte, 41 Jahre, mit Krankentagegeld | 9.200 € | 690 € + 60 € | 345,00 € | 30,00 € | 375,00 € |
| Angestellter, 52 Jahre, Tarif mit hohem Leistungsniveau | 11.000 € | 980 € + 95 € | 490,00 € | 47,50 € | 537,50 € |
| Angestellter, 58 Jahre, Tarif mit hohem Leistungsniveau | 8.000 € | 1.180 € + 110 € | 557,81 €Höchstbetrag | 55,00 € | 677,19 € |
| Familie: Angestellter, 44 Jahre, Ehefrau ohne eigenes Einkommen, zwei Kinder | 10.500 € | 1.650 € + 165 € | 557,81 €Höchstbetrag | 82,50 € | 1.174,69 € |
| Angestellter mit Bestandsschutz aus 2002, 49 Jahre | 6.100 € | 820 € + 75 € | 410,00 € | 37,50 € | 447,50 € |
Was die Beispiele zeigen
In den ersten drei Fällen und im letzten liegt der halbe Beitrag unter dem Höchstbetrag, der Arbeitgeber zahlt exakt die Hälfte. Die höhere Beitragsbemessungsgrenze ändert für diese Versicherten nichts. Erst beim 58-Jährigen und bei der Familie greift der Deckel: Der Arbeitgeber zahlt 557,81 € zur Krankenversicherung, egal wie hoch der Beitrag darüber liegt. Für genau diese beiden Gruppen bringt 2027 ein Plus von 49,22 € im Monat gegenüber 2026.
Bei der Pflegepflichtversicherung wird der Höchstbetrag von 114,75 € in keinem Beispiel erreicht. Die Beiträge zur privaten Pflegepflichtversicherung liegen nach meiner Beratungspraxis selbst bei Familien selten über 230 € im Monat. Im Familienbeispiel zahlt der Arbeitgeber die Hälfte von 165 €.
Zum Vergleich: der GKV-Höchstbeitrag 2027
Den Eigenanteil in der PKV muss man gegen das rechnen, was ein gesetzlich Versicherter mit Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze zahlt. Die Tabelle zeigt den Arbeitnehmeranteil 2027 bei 2,9 Prozent Zusatzbeitrag und einer Pflege-Bemessungsgrenze von 6.375 € im Monat, einmal nach geltendem Recht (Kinderlosenzuschlag 0,6 Prozent) und einmal nach dem Kabinettsentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (Kinderlosenzuschlag 0,9 Prozent).
| GKV 2027, je Monat | Geltendes Recht (Zuschlag 0,6 %) | Kabinettsentwurf (Zuschlag 0,9 %) |
|---|---|---|
| Krankenversicherung, Arbeitnehmeranteil (8,75 %) | 557,81 € | 557,81 € |
| Pflegeversicherung, Arbeitnehmeranteil kinderlos | 2,4 % = 153,00 € | 2,7 % = 172,13 € |
| Pflegeversicherung, Arbeitnehmeranteil mit einem Kind | 1,8 % = 114,75 € | 1,8 % = 114,75 € |
| Arbeitnehmeranteil gesamt, kinderlos | 710,81 € | 729,94 € |
| Arbeitnehmeranteil gesamt, mit einem Kind | 672,56 € | 672,56 € |
| Gesamtbeitrag mit Arbeitgeberanteil, kinderlos | 1.383,38 € | 1.402,50 € |
| Gesamtbeitrag mit Arbeitgeberanteil, mit einem Kind | 1.345,13 € | 1.345,13 € |
| Arbeitnehmeranteil kinderlos bei 3,5 % Zusatzbeitrag | 729,94 € | 749,06 € |
Ab dem zweiten Kind unter 25 Jahren sinkt der Pflegebeitrag des Arbeitnehmers weiter. Wie sich die Pflegereform für Kinderlose insgesamt auswirkt: Pflegereform beschlossen: Was Kinderlose 2027 mehr zahlen.
Diese Zahlen sind der Maßstab, an dem sich ein PKV-Eigenanteil messen lassen muss. Für Gutverdiener steigen sie 2027 stärker als in jedem Jahr zuvor.
Wie der Zuschuss ausgezahlt wird
Der Zuschuss wird über die Gehaltsabrechnung ausgezahlt, sobald der Arbeitgeber von der privaten Krankenversicherung weiß. Seit 2026 werden die dafür nötigen Daten automatisch über das ELStAM-System des Bundeszentralamts für Steuern übertragen, geregelt im BMF-Schreiben vom 8. Dezember 2025. Eine separate Arbeitgeberbescheinigung ist damit nicht mehr in jedem Fall nötig. Gesundheitsdaten, Tarifdetails oder Risikozuschläge erfährt der Arbeitgeber dabei nicht.
Was das für die Tarifwahl bedeutet
Der Arbeitgeberzuschuss gehört von Anfang an in die Rechnung, nicht als Bonus, der erst später auffällt, sondern als fester Teil der monatlichen Nettobelastung. Gerade bei Tarifen nahe der Deckelungsgrenze lohnt sich eine genaue Beispielrechnung statt einer groben Schätzung.
Wichtig für Familienplanung: PKV bei Jobwechsel oder Elternzeit
Rechtsgrundlagen und Quellen
- § 257 SGB V, Beitragszuschüsse für Beschäftigte (Abs. 2: Zuschuss für privat Krankenversicherte, Abs. 2a: Anforderungen an den Versicherer)
- § 61 SGB XI, Beitragszuschüsse in der Pflegeversicherung
- § 58 SGB XI, Beitragstragung in Sachsen
- § 3 Nr. 62 EStG (Steuerfreiheit des Zuschusses)
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, BGBl. 2026 I Nr. 228 (Sonderanhebung der Beitragsbemessungsgrenze 2027)
- Referentenentwurf der Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2027 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 21.09.2026)
- BMF-Schreiben vom 8. Dezember 2025 zum elektronischen Datenaustausch der PKV-Beiträge über ELStAM ab 2026
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Arbeitgeberzuschuss zur PKV 2026 und 2027?
2026 höchstens 508,59 € im Monat für die Krankenversicherung und 104,63 € für die Pflegepflichtversicherung, zusammen 613,22 €. 2027 nach dem Kabinettsbeschluss vom 7. Oktober 2026 und bei 2,9 % durchschnittlichem Zusatzbeitrag 557,81 € und 114,75 €, zusammen 672,56 €. Tatsächlich zahlt der Arbeitgeber die Hälfte Ihres PKV-Beitrags, gedeckelt auf diese Werte.
Bekomme ich 2027 automatisch mehr Zuschuss?
Nur, wenn Ihr halber Beitrag schon bisher über dem Höchstbetrag lag. Sonst zahlt der Arbeitgeber weiter genau die Hälfte Ihres Beitrags, und die höhere Beitragsbemessungsgrenze ändert daran nichts.
Muss ich den Arbeitgeberzuschuss selbst beantragen?
Der Zuschuss wird über die Gehaltsabrechnung ausgezahlt, sobald der Arbeitgeber Kenntnis von der privaten Krankenversicherung hat. Seit 2026 erfolgt die Übertragung der relevanten Daten automatisch über das ELStAM-System.
Nächster Schritt
Wie hoch wäre Ihr Zuschuss konkret?
In einem kurzen, kostenlosen Gespräch rechne ich Beitrag und Zuschuss gemeinsam mit Ihnen für Ihre Situation durch, für 2026 und für 2027.
Kostenlose und unverbindliche Beratung – 30 Min