Kai Stockschlaeder Kostenlose und unverbindliche Beratung – 30 Min Termin vereinbaren
Lieber über WhatsApp?

Gesundheit & Annahme

Vorerkrankungen in der PKV: Was die Gesundheitsprüfung wirklich prüft

Eine Diagnose in der Akte heißt nicht automatisch Ablehnung. Aber sie heißt auch nicht automatisch, dass alles wie gewohnt weiterläuft.

Von · Konzernunabhängiger Versicherungsmakler §34d GewO · über 20 Jahre Erfahrung · Zuletzt geprüft: 30.09.2026

Kategorie: Wechsel & Lebensphasen

Kurz beantwortet

Nein. Eine Vorerkrankung führt nicht automatisch zur Ablehnung, sie kann aber einen Risikozuschlag oder einen Leistungsausschluss nach sich ziehen. Was der Versicherer entscheidet, hängt von Diagnose, Behandlungsstand und Versicherer ab. Entscheidend ist, den Gesundheitsfragebogen vollständig und wahrheitsgemäß zu beantworten und bei nicht ganz einfacher Vorgeschichte zuerst eine anonyme Risikovoranfrage stellen zu lassen, bevor ein formeller Antrag entsteht.

Das Wichtigste auf einen Blick

Außerhalb des Basistarifs darf der Versicherer einen angemessenen Risikozuschlag oder einen Leistungsausschluss vereinbaren (§ 203 Abs. 1 VVG). Beantwortet man Gesundheitsfragen nicht vollständig, kann der Versicherer nach § 19 VVG bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit vom Vertrag zurücktreten; war die Verletzung weder vorsätzlich noch grob fahrlässig, bleibt ihm nur die Kündigung mit einer Frist von einem Monat. Er muss seine Rechte innerhalb eines Monats geltend machen, nachdem er von der Verletzung erfahren hat; sie erlöschen grundsätzlich fünf Jahre nach Vertragsschluss, bei Vorsatz oder Arglist nach zehn Jahren (§ 21 Abs. 1 und 3 VVG). Die private Krankenversicherung ist nach Angaben des GDV nicht an das Hinweis- und Informationssystem der Versicherer (HIS) angeschlossen, und eine anonyme Voranfrage ist noch kein Antrag.

Gemütliche Sitzecke mit Sessel, Stehlampe und einer Grünpflanze im Abendlicht.

"Ich habe vor drei Jahren eine Bandscheiben-OP gehabt – heißt das, ich komme gar nicht rein?" Diese Frage, in unzähligen Varianten, kommt fast in jedem zweiten Gespräch. Die ehrliche Antwort: kommt darauf an. Und genau dieses "kommt darauf an" lohnt sich zu verstehen, bevor man einen Antrag stellt.

Der Gesundheitsfragebogen ist der eigentliche Kern des Verfahrens

Vor Vertragsabschluss beantworten Sie einen Fragebogen zu Behandlungen, Diagnosen, Medikamenten und teils auch Krankschreibungen der letzten Jahre – je nach Frage reichen die Zeiträume von drei bis zu zehn Jahren zurück. Der Versicherer bewertet daraus ein individuelles Risiko. Wichtig dabei: Es zählt nicht nur, was Sie hatten, sondern wie der Fragebogen beantwortet wird. Unvollständige oder ungenaue Angaben sind der Klassiker, an dem später ganze Verträge scheitern – dazu gleich mehr.

Vier mögliche Ergebnisse – nicht nur Ja oder Nein

Die Risikoprüfung endet selten binär. In der Praxis sehe ich vier Ausgänge:

Zwischen diesen vier Ergebnissen liegt eine erhebliche Bandbreite. Und hier wird es interessant: Nicht jeder Versicherer bewertet dieselbe Diagnose gleich. Ein gut eingestellter Bluthochdruck etwa führt bei manchen Gesellschaften zu keinem Zuschlag, bei anderen zu einem spürbaren Aufschlag.

Ergebnis Bedeutung Auswirkung
Normale AnnahmeVorerkrankung leicht, ausgeheilt oder lange zurückliegendKeine Besonderheit im Vertrag
Annahme mit RisikozuschlagStatistisch erhöhtes RisikoProzentualer Aufschlag auf den Beitrag
Annahme mit LeistungsausschlussErkrankung wird gezielt ausgeklammertKeine Erstattung für Behandlungen dieser Diagnose
AblehnungSchwere, aktive oder fortschreitende ErkrankungKein Vertragsabschluss bei diesem Versicherer

Rechenbeispiel: Was ein Risikozuschlag konkret bedeutet

Ein Risikozuschlag wird als Prozentsatz auf den regulären Beitrag berechnet. Bei einem angenommenen Bruttobeitrag von 400 € im Monat und einem Zuschlag von 20 % zahlt der Versicherte zusätzlich 80 € monatlich – der reguläre Risikobeitrag selbst bleibt unverändert, der Zuschlag kommt oben drauf. Die konkrete Höhe eines Zuschlags hängt vom individuellen Krankheitsbild und dem jeweiligen Versicherer ab und lässt sich nur über eine tatsächliche Prüfung ermitteln, nicht pauschal vorhersagen.

Die anonyme Risikovoranfrage – der Schritt, den viele auslassen

Anders als in vielen anderen Versicherungssparten ist die private Krankenversicherung nach eigenen Angaben des GDV ausdrücklich nicht an das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) angebunden. Eine Ablehnung wird deshalb nicht automatisch branchenweit sichtbar. Relevant bleibt sie trotzdem: Die meisten PKV-Antragsformulare fragen gezielt danach, ob in den letzten Jahren bereits eine andere Versicherung abgelehnt hat, und diese Frage muss nach der vorvertraglichen Anzeigepflicht wahrheitsgemäß beantwortet werden. Genau dafür gibt es die anonyme Risikovoranfrage: Ein Makler übermittelt Ihre Gesundheitsdaten ohne Namen an mehrere Versicherer gleichzeitig und bekommt eine unverbindliche Einschätzung zurück – Zuschlag, Ausschluss oder Ablehnung, aber ohne dass irgendwo eine formelle Ablehnung mit Ihrem Namen entsteht, die Sie später angeben müssten.

Wie die Voranfrage abläuft, welche Unterlagen Sie brauchen und wo ihre Grenzen liegen: Anonyme Risikovoranfrage.

Praxishinweis: Bei nicht ganz einfacher Vorgeschichte ist die anonyme Voranfrage kein optionaler Zusatzschritt, sondern der naheliegende erste Schritt – nicht erst der formelle Antrag.

Warum Vollständigkeit wichtiger ist als das Ergebnis selbst

Ein Risikozuschlag ist ärgerlich, aber reparabel – Gesundheitszustände ändern sich, und ein späterer Tarifwechsel oder eine Neubewertung ist möglich. Eine vorsätzlich oder grob fahrlässig unvollständig beantwortete Gesundheitsfrage verletzt die vorvertragliche Anzeigepflicht nach § 19 VVG und kann Jahre später, im Leistungsfall, zum Rücktritt führen, bei Arglist auch zur Anfechtung des gesamten Vertrags (§ 22 VVG). Die Fristen sind lang: Die Rechte des Versicherers erlöschen grundsätzlich erst fünf Jahre nach Vertragsschluss, bei Vorsatz oder Arglist nach zehn Jahren (§ 21 Abs. 3 VVG). Der kurzfristige Vorteil einer verschwiegenen Diagnose steht in keinem Verhältnis zu diesem Risiko.

Chronisch heißt nicht automatisch aussichtslos

Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, behandelte Depressionen, Allergien – all das sind chronische oder wiederkehrende Diagnosen, die in der Praxis sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem wie stabil die Behandlung eingestellt ist und wie lange sie zurückliegt. Pauschale Aussagen im Bekanntenkreis ("Mit Diabetes kommst du eh nicht rein") sind fast immer zu grob, um für den eigenen Fall zu gelten.

Aus der Beratung: Herzfehler seit Geburt, 19 Anfragen, ein Angebot

Ein Kind im Grundschulalter hat einen angeborenen Vorhofseptumdefekt, eine Lücke in der Herzscheidewand. Der Befund ist seit Jahren unverändert, es besteht kein Behandlungsbedarf, eine Operation ist weder geplant noch angeraten. Das Kind ist voll belastbar, treibt normal Sport und hat keine Beschwerden.

Für die Risikoprüfung zählt trotzdem die Diagnose und nicht der Alltag: Bei einem angeborenen Herzfehler lehnen viele Gesellschaften ab, auch wenn der Verlauf unauffällig ist. Mit dem aktuellen kardiologischen Attest ging deshalb eine anonyme Risikovoranfrage parallel an 19 private Krankenversicherer. Von den 19 angefragten Gesellschaften sagten 18 ab. Eine gab ein Angebot ab, und zwar mit einem Risikozuschlag von 100 Prozent auf den Tarifbeitrag.

Einordnung: Ein Zuschlag von 100 Prozent klingt hart. Ob er tragbar ist, hängt vom Beitrag des Kindertarifs ab; verglichen werden muss er mit der Alternative, nämlich keinem Zugang des Kindes zur PKV. Das Beispiel zeigt auch, warum die Breite der Voranfrage zählt: Bei nur wenigen Anfragen kann es leicht passieren, dass ausschließlich Absagen zurückkommen und man daraus schließt, die PKV sei für die Familie nicht erreichbar. Wie es nach einer formellen Ablehnung weitergeht, steht im Artikel Antrag abgelehnt: Was jetzt?

Aus der Beratung: Abgeschlossene Psychotherapie, Gruppenvertrag, Annahme mit Ausschluss

Eine selbstständige Ärztin Anfang 30 hatte sich über längere Zeit psychotherapeutisch behandeln lassen und die Therapie 2025 abgeschlossen. In der GKV zahlte sie rund 1.300 Euro im Monat.

Nach meiner Erfahrung gehört eine Psychotherapie, die noch keine fünf Jahre zurückliegt, zu den häufigeren Gründen für eine Ablehnung in der Risikoprüfung; manche Gesellschaften verschieben die Prüfung auch um Jahre. Wer bei zwei oder drei Anbietern eine Absage bekommt, bleibt deshalb oft in der GKV. Hier lief die Prüfung nicht über einen Einzelantrag, sondern über einen Gruppenvertrag für Ärzte mit vereinfachter Gesundheitsprüfung. Das Ergebnis: Annahme ohne Risikozuschlag, aber mit einem Leistungsausschluss für psychotherapeutische Behandlung. Der Beitrag liegt bei 470 Euro im Monat, mit Zweibettzimmer, privatärztlicher Behandlung im Krankenhaus und Krankentagegeld.

Einordnung: Für die Kundin war der Ausschluss tragbar, weil sie die Therapie bewusst abgeschlossen hatte. Gegenüber den rund 1.300 Euro in der GKV sind das rund 800 Euro im Monat weniger, bei Zweibettzimmer, privatärztlicher Behandlung im Krankenhaus und Krankentagegeld. Ein Leistungsausschluss muss nicht für immer gelten: Fragt ein neuer Antrag nur nach einem begrenzten Zeitraum (je nach Gesellschaft fünf bis zehn Jahre), muss die Therapie nach dessen Ablauf dort nicht mehr angegeben werden, und es lassen sich weitere Angebote ohne Ausschluss prüfen. Das gelingt nicht in jedem Fall, und ein Versichererwechsel kostet in der Regel einen Teil der Alterungsrückstellung. Mehr zur Erstattung von Psychotherapie steht im Artikel Psychotherapie in der PKV; für Ärzte gibt es außerdem den Spezialratgeber für Ärzte.

Aus der Beratung: Hashimoto, sieben Anfragen, Zuschläge von null bis über 360 Euro

Eine selbstständige Ergotherapeutin Ende 30, bisher gesetzlich versichert, hat seit rund zehn Jahren eine bekannte Hashimoto-Thyreoiditis mit Schilddrüsenunterfunktion. Sie ist mit einer niedrigen Dosis L-Thyroxin eingestellt, die Werte liegen im Normbereich, es gibt keine Vergrößerung, keine Knoten und keine weiteren Befunde. Gewünscht waren eine Krankheitskostenvollversicherung und ein Krankentagegeld.

Nach meiner Erfahrung ist Hashimoto eine häufige Diagnose in PKV-Anträgen, und jede Gesellschaft bewertet sie anders. Die anonyme Risikovoranfrage ging mit vollständigen Angaben zu Diagnose, Medikation und aktuellen Werten an sieben Gesellschaften. Zum Stand dieser Auswertung hatten sechs geantwortet, eine Antwort stand noch aus:

Gesellschaft Antwort auf die Voranfrage
ANormale Annahme ohne Zuschlag
BNormale Annahme ohne Zuschlag
C25 Euro Zuschlag im Monat auf die Vollversicherung, Krankentagegeld ohne Zuschlag
D50 Euro Zuschlag im Monat
ERund 181 Euro Zuschlag im Monat auf die Vollversicherung, dazu knapp 4 Euro auf das Krankentagegeld
FZuschlag je nach Tarif: im Einstiegstarif rund 15 Euro, im Top-Tarif über 360 Euro im Monat
Einordnung: Dieselbe Diagnose und dieselben Unterlagen, aber die Zuschläge reichen von null bis über 360 Euro im Monat. Nach meiner Erfahrung ist das kein Rechenfehler, sondern normal in der Risikoprüfung: Jede Gesellschaft hat eigene Annahmerichtlinien, und Hashimoto wird von unauffällig bis zu einem teuren Risiko bewertet. Wer zufällig nur bei einer Gesellschaft mit hohem Zuschlag anfragt, hält ihn leicht für unvermeidbar und bleibt in der GKV. Wer bei Gesellschaft A oder B landet, zahlt keinen Zuschlag. Welche Antwort man bekommt, hängt von der Auswahl der Gesellschaften ab, und die kennt man erst nach der Voranfrage.

Häufige Fragen

Führt jede Vorerkrankung zur Ablehnung?

Nein. Viele gut behandelte oder ausgeheilte Vorerkrankungen führen zu einer normalen Annahme oder einem moderaten Risikozuschlag. Entscheidend sind Schwere, Behandlungsstand und wie lange eine Erkrankung zurückliegt.

Erfährt ein anderer Versicherer von einer abgelehnten Anfrage?

Nicht automatisch über ein branchenweites System – die private Krankenversicherung ist nicht an das Hinweis- und Informationssystem der Versicherer angebunden. Ein formeller Antrag kann aber später angegeben werden müssen, da viele Antragsformulare gezielt nach früheren Ablehnungen fragen. Eine anonyme Risikovoranfrage über einen Makler hinterlässt dagegen keine Spur, da sie ohne Namen gestellt wird und keine formelle Ablehnung erzeugt.

Wie lange muss ich Vorerkrankungen im Gesundheitsfragebogen angeben?

Die Zeiträume variieren je nach Frage zwischen drei und zehn Jahren rückwirkend. Maßgeblich ist immer der exakte Wortlaut der jeweiligen Frage im Antragsformular, nicht eine pauschale Frist.

Kann ein Risikozuschlag später wieder wegfallen?

Ja, das kommt vor, wenn sich der Gesundheitszustand nachweislich verbessert oder die Erkrankung lange genug ausgeheilt ist. Dafür ist in der Regel eine erneute Prüfung durch den Versicherer notwendig, kein automatischer Wegfall.

Muss ich auch Bagatellerkrankungen wie eine überstandene Erkältung angeben?

Nein, üblicherweise fragen Versicherer nur nach Behandlungen, Diagnosen und Medikamenten von einer gewissen Relevanz. Ausschlaggebend ist auch hier der exakte Wortlaut der jeweiligen Gesundheitsfrage.

Was danach passiert, wenn ein Antrag trotzdem abgelehnt wird: Antrag abgelehnt: Was jetzt? Die Begriffe Risikovoranfrage und Risikozuschlag sind im PKV-Lexikon ausführlich erklärt.

Rechtsgrundlagen und Quellen

Nächster Schritt

Vorerkrankungen? Klären Sie Ihre Chancen vor dem Antrag.

Eine anonyme Risikovoranfrage kostet Sie nichts, und es entsteht kein abgelehnter Antrag. In einem kurzen Gespräch kläre ich, ob sie für Sie sinnvoll ist. Erste Antworten der Gesellschaften liegen meist nach einem bis fünf Tagen vor.

Kostenlose und unverbindliche Beratung – 30 Min

Oder erst lesen: So läuft die anonyme Risikovoranfrage ab →

Kai Stockschlaeder
Kai Stockschlaeder
Konzernunabhängiger Versicherungsmakler §34d Abs. 1 GewO · vergleicht alle Gesellschaften · seit über 20 Jahren PKV-Beratung
Kostenlose und unverbindliche Beratung